Marsch zum Papst

90% der Brasilianer sind Katholiken. Meine Idee: ein Machtwort von ihm, eine Empfehlung könnte womöglich etwas bewirken. Ich versuchte, ein Gespräch mit ihm zu bekommen. „Sie sind ja nicht mal Katholik“, bescheidet mir seine Nuntiatur in Bonn.

Also marschiere ich zu Fuß nach Rom. Ab Oberstdorf, denn den Weg bis dahin war ich ja bereits einmal gegangen (> Deutschlandmarsch). Mein Verlag organisiert die Aufmerksamkeit der italienischen Medien. Wenn er mich nicht empfängt, wäre das auch eine Stellungnahme.

Ein erneuter Anruf in der Nuntiatur endet mit deren Vorwurf: „Nun fühlen wir uns erpresst.“ Meine Unterstützer werden aktiv. Das sind Einzelpersönlichkeiten wie Willy Brandt, Prof. Bernhard Grzimek, Hoimar von Dithfurt oder die Katholische Jugend Deutschlands. 25 sind es schließlich. Ein „Dietrich“, der alle Türen öffnen müsste.

Da ich nicht mit einem Nachgeben des Vatikans rechne, plane ich, ein Seil über den Petersplatz zu spannen, mich mit einer Hängematte daran zu hängen und während der Generalaudienz des Mittwochs ein Transparent zu entfalten: „Stoppt den Völkermord an den Yanomami-Indianern in Brasilien!“

Nach drei Wochen Marsch stehe ich auf dem Petersplatz. Für ein Seil viel zu groß. Es würde immer durchhängen. Abgesehen von der Vereitelung durch die Polizei.

„Dann miete ich ein Kleinflugzeug und fliege Kreise um den Vatikan. Hinter mir das Transparent.“ Die Verleihfirma klärt mich auf. „Während der Audienz besteht Flugverbot.“ Gerade will ich Lösung drei realisieren. Ich will eine kleine Leinwand beschriften und sie entfalten, wenn der Papst mit seinem Fahrzeug zwischen den Gläubigen hindurchfährt. Da kommt ein Anruf aus der Botschaft der Bundesrepublik Deutschland. „Der Papst hat auf Grund der Intervention Willy Brandts nachgegeben und macht eine Ausnahme.“ So darf ich ihm das Problem dann kurz vortragen. Er findet das Anliegen „unterstützenswert“ und verspricht. „sein Bestes“ zu tun. Er hat Wort gehalten. Er hat nichts getan. Eben sein „Bestes“.

Wie es weiterging, steht ausführlich in meinem Buch „Im Tretboot über den Atlantik“ Leider ist es nur noch antiquarisch erhältlich.